Einsatz von Medikamenten

Über den Einsatz von Medikamenten (Psychopharmaka) bei der Behandlung von Angstkrankheiten sind sich Therapeuten der verschiedenen Therapieformen überhaupt nicht einig. Nicht einmal in der gleichen Therapierichtung decken sich die Meinungen über das Thema.

Und auch in der Praxis trifft diese Meinungsuneinigkeit wohl zu, denn obwohl viele Angstpatienten äusserst zufrieden sind mit der Wirkung verabreichter Medikamente, gibt es auch einige, bei denen die Medikamente keine positiven Veränderungen herbeizuführen vermögen. Wie bei allen Therapien ist auch der Medikamenteneinsatz äusserst individuell und auf den Patienten abzustimmen. Auch gilt, dass eine Angstkrankheit nicht durch den blossen Einsatz von Psychopharmaka bewältigt werden kann, denn die Medikamente sind nur in Kombination mit einer der bereits erklärten Therapieformen ideal wirksam.

In der Praxis sind nur ausgebildete Psychiater berechtigt, Psychopharmaka zu verschreiben, da nur solche Berufsleute über genügend Ausbildung in diesem Bereich verfügen. Ich hatte die Möglichkeit mit einem Psychiater zu sprechen, der selber Angstpatienten behandelt und in der Therapie auch Medikamente einsetzt. Er hat mir auch die drei wichtigsten Medikamentengruppen und deren Wirkungsweise erklärt, die ich im folgenden kurz vorstelle:

Benzodiazepine

Benzodiazepine gehören zu den Beruhigungsmitteln, die in der Fachsprache auch „Tranquilizer“ genannt werden. Sie wirken sehr schnell und stark auf den Patienten. Gerade deshalb sind Benzodiazepine die bekanntesten und am häufigsten verwendeten, angstlösenden Substanzen. Benzodiazepine wirken direkt auf das zentrale Nervensystem. Je nach Höhe der verschriebenen Dosis, lösen sie vorhandene Angst, entspannen, beruhigen, helfen beim Einschlafen und wirken krampflösend. Sie vermindern oder beseitigen psychovegetative Beschwerden, wie z.B. Herzklopfen, Zittern oder Verkrampfungen. Die körperlichen- und psychischen Symptome, die bei Angstattacken auftreten, werden dadurch erheblich vermindert. Die gefährlichste Nebenwirkung der Benzodiazepine ist, wie bei den meisten Psychopharmaka die Suchtgefahr. Daneben machen Benzodiazepine schläfrig und sind daher nicht in jeder Situation (Autofahren, Arbeit, bei der Konzentration gefordert ist) ideal.

Antidepressiva

Antidepressiva spielen bei regelmässiger Einnahme in der mittel- bis langfristigen Behandlung von Angst die Hauptrolle. Sie wirken angstvermindernd und stimmungsaufhellend, was eine ideale Ergänzung zu einer Therapie darstellt. Das Hauptproblem bei Antidepressiva ist, dass die Wirkung sehr spät, nämlich erst nach zwei bis drei Wochen eintritt. Auch haben Antidepressiva viele Nebenwirkungen. Das Problem bei diesen Nebenwirkungen ist, dass die körperlichen Probleme, die auftauchen können, den körperlichen Symptomen der Angststörungen entsprechen. (Zittern, Herzklopfen, etc.) Darum ist es so, dass Antidepressiva nicht direkt einen Einfluss auf die Verbesserung der Angst haben, sondern ihre Wirkung auf die Angststörung indirekt erfolgt. Bei diesem Psychopharmaka ist es somit klar, dass es wirklich nur als Ergänzung zur Therapie verwendet werden kann.

Serotonin – Wiederaufnahmehemmer

Serotonin – Wiederaufnahmehemmer oder auch SSRI genannt, gehören zu einer speziellen Gruppe der Antidepressiva. Ihre verbessernde Wirkung bei Angstkrankheiten ist seit geraumer Zeit nachgewiesen. Wie bereits in Kapitel «Neurologische Aspekte der Angstkrankheiten» erklärt, veranlasst das Gefühl der Angst Veränderungen im vegetativen Nervensystem des Körpers. Forscher konnten nachweisen, dass gewisse Ungereimtheiten im Regulationssystem des vegetativen Nervensystems, kombiniert mit speziellen Lebensumständen Angst verursachen können. Dafür ist vor allem der Neurotransmitter Serotonin verantwortlich. Neurotransmitter sind chemische Überträgerstoffe (Botenstoffe) in Gehirn und Nervensystem. Wenn nun die Serotoninkonzentration im Gehirn vermindert ist, kann eine Angstkrankheit begünstigt werden. Allerdings geht man nach neuesten Erkenntnissen davon aus, dass nicht nur die Serotoninkonzentrationsveränderung entscheidend ist, sondern dass das System verschiedener Neurotransmitter im Ungleichgewicht ist, wenn es zu einer psychischen Störung, wie eben der Angststörung kommt.

Serotonin – Wiederaufnahmehemmer wirken nun direkt auf die Serotoninkonzentration im Gehirn und sind deshalb angstvermindernd. Ein grosser Vorteil dieser Psychopharmaka ist, dass sie nicht süchtig machen. Der grösste Nachteil ist wie bei den Antidepressiva, dass es einige Nebenwirkungen gibt, die ausgehalten werden müssen und dass die Wirkung ebenfalls erst nach einigen Wochen eintritt.

Pflanzliche Medikamente

Es gibt weiter auch die Möglichkeit auf pflanzliche Medikamente zurückzugreifen. Dabei ist vor allem Baldrian, aufgrund der beruhigenden Wirkung bei Angst zu nennen. Auch verwendet wird die Passionsblume, die krampflösend wirkt, sowie Johanniskraut, da es laut einigen Studien „mild antidepressiv“ wirkt.