Neurologische Aspekte der Angstkrankheiten

Die Wissenschaft ist in der Erforschung des Gehirns und der Funktionen und Abläufe im Bezug auf Angstkrankheiten noch nicht am Ziel. Auch heute gibt es noch etliche offene Fragen, die zu klären sind. Im Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München wird intensiv daran gearbeitet. (Momentan: Studie zur Genetik der Angst: Ziel der Studie ist die Identifikation von genetischen Merkmalen, welche die Anfälligkeit für Angsterkrankungen erhöhen. Mit dem Wissen um genetische Ursachen der verschiedenen Angsterkrankungen lassen sich verbesserte und vor allem gezieltere Therapiemöglichkeiten entwickeln. Die Erforschung von genetischen Ursachen trägt letztlich maßgeblich dazu bei, in Zukunft besser, schneller und nebenwirkungsärmer behandeln zu können und damit das Leid der Betroffenen zu mildern.)[1]

Schon heute ist einiges über die Krankheitsformen und die neurobiologischen Abläufe bekannt. Psychiater verwenden diese Erkenntnisse zur Behandlung von Angstkrankheiten mit der Hilfe von Medikamenten. (siehe auch Kapitel «Angstkrankheiten bei Kindern»)

Emotionale Zustände, wie eben z.B. Angst, bewirken Veränderungen des vegetativen Nervensystems. Das vegetative Nervensystem regelt den inneren Betrieb des Körpers, hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper auch an wechselnde Umweltbedingungen an. Beim Angstgefühl geschehen für den Betroffenen solche scheinbaren Veränderungen in der Umwelt. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei gegensätzlichen Funktionen, nämlich dem sympathischen Nervensystem, das den Körper aktiviert und dem parasympathischen Nervensystem, das den Körper seinerseits wieder beruhigt. Bei einer Aktivierung des vegetativen Nervensystems durch Angst wird nun der Körper über das sympathische Nervensystem aktiviert. Dabei laufen komplizierte biochemische Prozesse ab, bei denen unter anderem die Hormondrüse Hypothalamus im Zwischenhirn zur Hormonausschüttung angeregt wird. Diese Drüse setzt dann zwei Aktivierungsmechanismen in Gang, nämlich die neuronale Aktivierung, die via Nervenbahnen erfolgt und in der Folge die Ausschüttung von Adrenalin bewirkt. Der zweite Mechanismus ist die hormonelle Aktivierung, welche mittels Hormonen via Blutbahn bestimmte Organe aktiviert, die eine längerfristige Mobilisierung des Körpers durch Energieherstellung gewährleisten. Diese Prozesse werden für den Betroffenen durch die bereits erwähnten somatischen Symptome realisierbar. Nach dem Abklingen der Angstgedanken oder einer allfälligen Flucht vor der phobischen Situation oder dem Objekt tritt das parasympathische Nervensystem in Aktion, das den Körper wieder beruhigt und alle körperlichen Funktionen auf den Normalzustand reduziert. In der Therapie mit Medikamenten wird vor allem der aktivierende Teil, das sympathische Nervensystem beeinflusst. Auf die genaueren Abläufe werde ich bei der Erklärung der Wirkungsweise von Serotonin – Wiederaufnahmehemmer Medikamenten in Kapitel «Angstkrankheiten bei Kindern» eingehen.

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