Was ist eine Angstkrankheit?

Angstkrankheiten sind wissenschaftlich gesehen komplexe „Fehler“ in der Wahrnehmung eines Menschen. Komplex bedeutet, dass verschiedene Faktoren zusammenwirkend ein Angstgefühl auslösen, welches dann immer wieder in der phobischen (Angst auslösenden) Situation oder beim phobischen Objekt auftritt. Wenn diese „Fehler“ wiederholt auftreten und dadurch die Lebensqualität des betroffenen Menschen beeinträchtigt ist, spricht man von einer Angstkrankheit.

Es gibt viele unterschiedliche Formen von Angstkrankheiten. Die allgemein verbreitetsten sind die Sozialphobie (z.B. Vortrags- oder Prüfungsangst), die Agoraphobie (z.B. Angst vor Plätzen und grossen Räumen), die Panikattacken (plötzliche, unprovozierte Panikanfälle), Zwangsstörungen (z.B. Waschzwang, Esszwänge), sowie spezifische Phobien vor bestimmtem Objekten oder Situationen (z.B. Angst über eine Brücke zu gehen, etc.). In einem späteren Teil werde ich genauer auf einige dieser Krankheitsbilder und deren Symptome eingehen.

Die Ausformungen und Differenzen der Angstkrankheiten sind in den heute gebräuchlichsten Krankheitsklassifikationssystemen ICD-10, sowie DSM-IV erfasst und tabelliert. Dabei werden phobische Störungen von sogenannt anderen Angststörungen unterschieden. Nachfolgend habe ich die Tabelle der Angstsyndrome von der ICD-10 übernommen.[1]

Teilauszug aus der ICD-10
F00-F99 Psychische- und Verhaltensstörungen
F40-F48 Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen
F40 Phobische Störungen
F40.0 Agoraphobie
F40.00 Ohne Angabe einer Panikstörung
F40.01 Mit Panikstörung
F40.1 Soziale Phobien
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
F41 Andere Angststörungen
F41.0 Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst)
F41.1 Generalisierte Angststörung
F41.2 Angst und depressive Störung, gemischt
F42 Zwangsstörung

Für jede Klassifikationsnummer existiert ein beschreibender Text, sowie eine Auflistung der Symptome, unter denen ein Patient bei der jeweiligen Angstkrankheit leidet. Fachleute diagnostizieren mittels dieser Systeme die Angstkrankheit. Eine entsprechende Behandlung kann anschliessend gewählt werden. Das Gefühl der Angst wird bei Angstpatienten von verschiedenen, miteinander auftretenden Angstsymptomen erlebt. Dies sind psychische- , wie auch körperliche Symptome (psychosomatische Beschwerden). In der folgenden Darstellung sind die wichtigsten Erscheinungsbilder dieser beiden Symptomgruppen aufgelistet.[2] Bei jeder Angststörung treten für den Betroffenen einige dieser Wahrnehmungen einzeln oder kombiniert auf.

Angstsymptome
Psychische Symptome Angst zu sterben
Angst vor Kontrollverlust
Entfremdungsgefühle
Ohnmachtsgefühle
Konzentrationsschwierigkeiten
Überempfindlichkeit
Schlafstörungen
Libidostörungen (Störung des Sexualtriebs)
 
Körperliche Symptome Schwindel, Kopfschmerzen
Muskelanspannung
Erröten, Erblassen
Mundtrockenheit
Kurzatmigkeit, Atemnot
Erstickungsgefühle
Brustschmerzen
Herzklopfen, Herzbeben
Schwitzen, kalte Hände
Übelkeit, Bauchschmerzen
Durchfall, Harndrang
Kribbeln in den Gliedern
Zittern, Beben, weiche Knie
Schreckhaftigkeit, Ermüdung

Quellen

  1. ICD-10 Verzeichnis - Auszug von; (28.1.2005)
  2. Hättenschwiler J., Höck P. ; Angsterkrankungen. Angst- und Panikhilfe Schweiz 2002