Abklärung in der Praxis

Die Abklärung der Angst ist bereits der Beginn der Therapie. Das verständnisvolle Eingehen auf die Probleme des Patienten vermittelt Vertrauen. Viele Patienten suchen den Arzt primär wegen körperlicher Beschwerden auf[3][5]. Dies darf nicht erstaunen, sind doch im Phänomen Angst seelische und körperliche Veränderungen eng miteinander verbunden.

Diagnostik in der Übersicht
Anamnese inkl. Familienanamnese
Frühere Untersuchungen und Behandlungen
Ausschluss organischer Ursachen
Ausschluss einer anderen psychischen Erkrankung
Allgemein belastende Faktoren
Einbezug des Umfeldes (z.B. Partner, Familie)
Abgrenzung normale versus pathologische Angst
Differenzierung der Angstsymptomatik
Situations-/objektbezogene Angst
Auslösende Situation/Objekt
Verlauf: akut, attackenartig oder chronisch
Somatische Diagnostik
Körperliche Untersuchung
Neurologischer Status
Routinelabor inkl. Blutzucker, TSH, fT4,
Serumkalzium und -Phosphat
EKG, EEG (nicht obligat)
Evtl. bildgebende Verfahren
Überweisung an den Spezialisten

Somatische Erkrankungen müssen erfragt und der Patient körperlich untersucht werden. Die Differentialdiagnose orientiert sich dabei an den körperlichen (Tabelle: Angst bei somatischen Erkrankungen) und medikamentös-toxischen (Tabelle: Pharmakologisch-toxische Ursachen von Angst) Ursachen der Angst. Ausserdem müssen andere psychische Erkrankungen als Ursache der Angst ausgeschlossen werden. Belastende Faktoren wie Beziehungsprobleme, Verlusterlebnisse, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz können das Auftreten von Angst begünstigen.

Die Entscheidung, ob Angst Ausdruck einer Störung ist, kann schwierig sein. Eine scharfe Grenze zwischen normaler und krankhafter Angst existiert nicht. Eine Form mit Krankheitswert ist bei folgenden Charakteristika wahrscheinlich[2]:

Strukturierte Interviews, Checklisten, Skalen und Fragebögen können die Diagnostik zwar vereinfachen, sind jedoch nicht notwendig. Nebst dem Inhalt der Befürchtungen sind die persönlichen, beruflichen und sozialen Auswirkungen der Angst zu explorieren. Hinweise auf hereditäre Faktoren ergeben sich aus der Familienanamnese, beziehungsdynamische Aspekte lassen sich über die Fremdanamnese ergänzen.

Die somatische Diagnostik sollte sinnvoll begrenzt erfolgen. Hundertprozentige Sicherheit ist auch durch uferlose und wiederholte somatische Diagnostik nicht zu erreichen[9]. Vielmehr kann dadurch eine iatrogene Fixierung und Chronifizierung gefördert werden. Angstpatienten, die von der körperlichen Ursache ihrer Störung überzeugt sind, gehen häufig von Arzt zu Arzt und lassen kostspielige Untersuchungen wiederholen. Deshalb ist die Frage nach bereits durchgeführten Abklärungen und Behandlungen unerlässlich. Zusätzliche Diagnostik ist angezeigt, falls die Symptome auf Störungen bestimmter Organe oder Organsysteme hinweisen.

Obwohl die Aufgabe des Hausarztes und des in der Grundversorgung tätigen Spezialisten wohl hauptsächlich darin besteht, Angsterkrankungen als solche überhaupt zu erkennen und auch körperliche Symptome als mögliche psychiatrische Störung in Betracht zu ziehen, kann er bei entsprechender Fortbildung ohne weiteres eine Therapie durchführen. Von Vorteil ist die Zusammenarbeit mit einem Psychiater oder Psychologen. Die Überweisung an den Psychiater erfolgt grundsätzlich bei[1][3][9]: