Antidepressiva spielen in der mittel- bis langfristigen Behandlung von Angst die Hauptrolle. Die bei Angststörungen häufig verwendeten Antidepressiva sind in folgender Tabelle aufgeführt:
Tabelle: Antidepressiva bei Angststörungen
| Wirkstoffe | Handelsname (CH) | Testdosis [mg] | Dosierung [mg] |
|---|---|---|---|
| Trizyklische Antidepressiva (TCA) | |||
| Clomipramin | Anafranil | 10 − 25 | 75 − 250 |
| Imipramin | Tofranil | 10 − 25 | 75 − 200 |
| Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) | |||
| Citalopram | Seropram | 5 − 10 | 10 − 60 |
| Fluoxetin | Fluctine | 5 − 10 | 10 − 80 |
| Fluvoxamin | Floxyfral | 25 − 50 | 50 − 300 |
| Paroxetin | Deroxat | 5 − 10 | 20 − 40 |
| Sertralin | Zoloft / Gladem | 12.5 − 25 | 50 − 200 |
| Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) | |||
| Venlafaxin | Efexor | 18.75 − 37.5 | 75 − 375 |
| Serotoninantagonist und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SARI) | |||
| Nefazodon | Nefadar | 25 − 50 | 100 − 400 |
| Noradrenerges und Spezifisches serotonerges Antidepressivum (NaSSA) | |||
| Mirtazapin | Remeron | 7.5 − 15 | 30 − 60 |
| Reversible Selektive MAO-A-Hemmer (RIMA) | |||
| Moclobemid | Aurorix | 75 − 150 | 300 − 600 |
| adaptiert nach [8][9] |
Ursprünglich wurde die angstverhindernde Wirkung auf die sedierenden Eigenschaften einiger Antidepressiva zurückgeführt. Die Beobachtung, dass nicht sedierende Antidepressiva (Imipramin oder Monoaminooxidasehemmer) für die langfristige Behandlung von Panikstörungen gut geeignet sind, hat diese Annahme widerlegt[2][6]. Die angstverhindernde Wirkung der Antidepressiva tritt mit einer Latenz von 2 bis 4 Wochen ein.
Die Trizyklischen Antidepressiva Clomipramin und Imipramin sind bei Angsterkrankungen am besten geprüft. Wegen ihrer Nebenwirkungen (Schleimhauttrockenheit, Akkommodationsstörungen, Tremor, Schwitzen, orthostatische Probleme, Tachykardie, Verstärkung von Reizleitungsstörungen, Arrhythmien, Obstipation, Harnverhaltung und Senkung der Krampfschwelle bei höheren Dosen) werden sie heute zurückhaltend eingesetzt.
Die SSRI haben sich in den letzten Jahren aufgrund ihrer Wirksamkeit und des günstigeren Nebenwirkungsprofils als Substanzen der ersten Wahl bei Angststörungen etabliert. Die SSRI unterscheiden sich in Verträglichkeit, Halbwertszeit sowie hinsichtlich Interaktionen mit dem Zytochrom-P-450-System. Sertralin und Citalopram verursachen am wenigsten Interaktionen. Die SSRI haben eine weit geringere Toxizität als die Trizyklika (Vorsicht: Suizidalität bei Angsterkrankungen). Nebenwirkungen sind Übelkeit, Diarrhoe, Schwitzen, Tremor, Libidoverminderung, Verzögerung der Ejakulation, Muskelzuckungen bei relativer Überdosierung, selten auch extrapyramidale Symptome[6].
Auch die eher aktivierenden MAO-Hemmer haben sich bei Angstsyndromen bewährt. Bei Moclobemid, einem Reversiblen Selektiven Inhibitor der Monoaminooxidase A (RIMA) entfallen Diätrestriktionen.
Die Rolle der neueren Substanzen steht noch nicht fest. Der Serotoninantagonist Nefazodon kann aufgrund seines Profils eine Alternative zu den SSRI sein, wenn diese wegen sexueller Dysfunktion oder starker Nervosität abgesetzt werden müssen[7]. Mirtazapin kann bei Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden oder wenn SSRI unwirksam waren[7]. Venlafaxin zeigt eine gute Wirkung bei der Panikstörung und bei Komorbidität von Angst und Depression[7]. Tritt unter Antidepressiva keine Besserung ein, kann durch Dosiserhöhung, der eine Plasmaspiegelbestimmung vorausgehen soll, häufig eine Besserung erzielt werden[6]. Einer erfolgreichen Akutbehandlung ist eine 12- bis 24-monatige Erhaltungsbehandlung anzuschliessen. Erst dann sollte, stabile Symptombesserung vorausgesetzt, die Medikation über vier bis sechs Monate ausgeschlichen werden[3][6].