Auswirkungen von Angststörungen

Angst- und Panikstörungen haben nicht nur Auswirkungen auf den Patienten selbst, sondern auch auf sein Umfeld und die Gesellschaft:

Persönliche Auswirkungen

Patienten mit einer Panikstörung leiden nicht nur während einer Panikattacke. Die Angst vor der nächsten Panikattacke - die Angst vor der Angst - wird bald zum beherrschenden Thema, das alle Lebensfreude und Aktivitäten negativ beeinflusst. Jede Form von Stress begünstigt Panikattacken. Auch freudige Ereignisse oder nur schon bestimmte Gedanken erhöhen den Stresspegel und können eine Panikattacke auslösen oder begünstigen. Manche Betroffenen meiden nach einiger Zeit alle Situationen, von denen sie glauben, dass sie eine Panikattacke auslösen könnten. Gesellschaftliche Ereignisse wie Verwandten- oder Kinobesuche werden ebenso gemieden wie Einkaufen, Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln, Verreisen usw. In solchen Fällen sprechen die Ärzte und Therapeuten von einer Panikstörung mit Agoraphobie. Die Patienten isolieren sich immer mehr und können im Extremfall die Wohnung nicht mehr ohne Begleitung verlassen (Beispiel-Geschichte: «Meine Gefühle haben einen Namen»).

Zu den Ängsten kommt noch eine weitere Belastung hinzu: Da das vegetative Nervensystem durch die Dauerbelastung mit den Ängsten aus dem Gleichgewicht gerät, werden Panikpatienten von andauernden körperlichen Symptomen geplagt, die nur durch Beruhigungsmittel, Alkohol oder andere Drogen gedämpft werden können. Es kommt zu Komplikationen wie Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln, Alkohol oder gar Drogen. Zudem sind Depressionen oft die Folge der andauernden Verzweiflung über das Leiden.

So verwundert es nicht, dass Panikpatienten zu keinerlei Unternehmungen mehr zu motivieren sind, was natürlich Auswirkungen auf das Umfeld hat:

Auswirkungen auf das Umfeld

Viele Patienten stossen in ihrem Umfeld auf Unverständnis. Dies wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass der Arzt bei Untersuchungen keine körperliche Krankheit feststellen kann und deshalb ein psychisches Problem attestiert. Viele Menschen glauben, dass ein psychisches Problem nur mit "Nicht-Wollen" zu tun hat. Die Patienten werden als Simulanten und Drückeberger abgestempelt. Manche Partnerschaft ist deshalb schon in die Brüche gegangen.

Viele Angstpatienten fühlen sich nur noch in der eigenen Wohnung einigermassen sicher. Sie vereinsamen immer mehr und das soziale Netz fällt auseinander.

Da auch die Arbeit und der Weg dorthin immer mehr zur Qual wird, fehlen sie immer öfter und verlieren schliesslich ihren Arbeitsplatz. Das führt dann zu finanziellen Problemen, da sie auch nicht in der Lage sind, beim Arbeitsamt und anderen Behörden vorzusprechen. Bis Betroffene jemanden finden, der sie versteht und ihnen hilft, sind viele bereits in grosse finanzielle Probleme geraten.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Bis eine Angststörung diagnostiziert wird, vergehen im Durchschnitt mehrere Jahre, in denen der Patient erfolglos von Arzt zu Arzt rennt, weil er nicht glauben kann, dass ihm nichts fehlen soll. Alle möglichen und teuren Untersuchungen lässt er über sich ergehen. Das verursacht immense Kosten, die von der Gesellschaft über die Kassenprämien mitfinanziert werden.

Ist die Angststörung mangels rechtzeitiger und wirksamer Behandlung schliesslich chronisch geworden, und kann der Patient keiner Arbeit mehr nachgehen, kommen schliesslich noch die Kosten für IV, Ergänzungsleistungen und Pension dazu.

 Häufigkeit und Kosten von Angststörungen 2004