Benzodiazepine (Angststörungen Behandlung)

Benzodiazepine sind die bekanntesten und am häufigsten verwendeten angstlösenden Substanzen (Übersicht siehe folgende Tabelle). Mangels Alternativen wurden sie früher zu häufig und oft unkritisch eingesetzt. Das Abhängigkeitsrisiko führte zu einer ideologischen Ablehnung, die erst in den letzten Jahren überwunden wurde[2].

Tabelle: Benzodiazepinagonisten in der Angstbehandlung

Wirkstoff H-Name Dos. [mg] Tmax [h] t1/2 [h] AM
Alprazolam Xanax 0.25 − 4 1 − 2 12 − 15 (m) +
Bromazepam Lexotanil 1.5 − 9 1 − 2 15 − 28 (m) +
Clorazepat Tranxilium 5 − 60 1 − 1.5 25 − 60 (l) +
Clobazam Urbanyl 15 − 60 1.5 − 2 20 − 50 (l) +
Clonazepam Rivotril 1 − 4 2 − 4 20 − 60 (l) +
Diazepam Valium 5 − 20 0.5 − 1.5 24 − 80 (l) +
Lorazepam Temesta 1 − 6 1 − 2.5 12 − 16 (m) -
Oxazepam Seresta 15 − 100 2 − 3 7 − 11 (k) -
Prazepam Demetrin 10 − 30 1 − 2 50 − 80 (l) +
H-Name Handelsname
Dos. [mg] Dosierung in Milligramm
Tmax [h] Zeit bis zur maximalen Plasmakonzentration in Stunden
t1/2 [h] (k) kurze, (m) mittlere, (l) lange Halbwertszeit
AM Aktive Metaboliten (Kumulationsgefahr)

Benzodiazepine unterscheiden sich in der relativen Dosierung und Pharmakokinetik, kaum jedoch in der Wirkung. Alle Benzodiazepine sind bereits in niedriger Dosierung anxiolytisch (angstlösend), sedierend (beruhigend), antikonvulsiv (entkrampfend), in höherer Dosierung schlafanstossend und muskelrelaxierend. Nebenwirkungen sind Tagessedation, Gleichgültigkeit, Toleranzentwicklung, Muskelschwäche, Ataxie, Atemdepression. Klinisch relevant sind die langen Halbwertszeiten einiger Benzodiazepine mit Bildung von aktiven Metaboliten, welche die Gefahr einer Akkumulation mit Zunahme der Nebenwirkungen (Vorsicht: Reaktionsfähigkeit, Sturzgefahr älterer Leute usw.) bis hin zur Intoxikation mit sich bringen.

Längere Einnahme kann zu Abhängigkeit führen, in den meisten Fällen in Form einer Niedrigdosisabhängigkeit. Bei abruptem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten, wobei zwischen Rebound-Symptomen (verstärktes Auftreten der ursprünglichen Symptomatik), Entzugsymptomen im engeren Sinne und einem Wiederauftreten der früheren Symptomatik unterschieden werden muss. Diese Phänomene können durch gezielte Indikationsstellung, niedrige Dosis, beschränkte Behandlungsdauer und langsames Ausschleichen minimiert oder verhindert werden. Dauerbehandlungen sollen nur nach Ausschöpfen aller anderen Möglichkeiten erfolgen[2].

Die Patienten sind über eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit aufzuklären. Diese ist sowohl in der Einstellungsphase als auch bei höherer Dosierung in der Erhaltungstherapie eingeschränkt.