Infos über Angst und Panik für Nicht-Betroffene

Wer nicht selbst an einer Angst- oder Panikstörung leidet, kann sich nicht vorstellen, wie gross der Leidensdruck ist. Die meisten Betroffenen wollen unter keinen Umständen mit ihrem Problem auffallen. Die Konsequenzen sind oft gravierend. Nicht nur Partnerschaften gehen in die Brüche, es kommt auch zu gesellschaftlichen Problemen. Man ist nicht mehr fähig, soziale Kontakte zu pflegen. Viele sind nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben und geraten so in arge finanzielle Nöte, aus denen sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien können.

Deshalb benötigen Betroffene jede Hilfe, die sie bekommen können. Wichtig ist auch, wie Angehörige und Freunde mit Betroffenen und ihrer Krankheit umgehen. Astrid Krüger gibt Nicht-Betroffenen eine Anleitung:

Was sind Panikattacken?

Bei den meisten Betroffenen beginnt es ähnlich. Plötzlich, aus heiterem Himmel und völlig unerwartet bekommen sie einen Anfall von Herzrasen, Schwindel, leiden an Schweissausbrüchen und haben das Gefühl, auf der Stelle umzukippen; schlimmer noch, sofort zu sterben.

Das kann überall passieren, oft in öffentlichen Situationen, aber genauso daheim. Manche schildern, dass sie die erste Attacke am Arbeitsplatz hatten, in der Kantine, bei einer Veranstaltung, daheim beim Fenster putzen, beim Friseur, in einem Konzert oder einfach bei einem gemütlichen Treffen mit Freunden in der Kneipe um die Ecke.

Treten diese Anfälle häufiger auf, kommt es meist zu einer Phobie (Agoraphobie), einem so genannten Vermeidungsverhalten. Der Betroffene weigert sich, den Platz, an dem "es" geschah, noch einmal aufzusuchen. Er meidet nach und nach auch andere Orte, wo er befürchtet, eine ähnliche Attacke erleiden zu können, zieht sich zurück und schlimmstenfalls verlässt er das Haus gar nicht mehr. Doch auch das hilft nicht, dann tritt die Panik nämlich auch daheim auf. Aber hier fühlt man sich sicherer, sorgt dafür, dass immer jemand Vertrauter in der Nähe ist, hat das Handy oder Telefon gleich neben sich liegen, so dass man im Notfall sofort den Arzt oder Rettungsdienst alarmieren kann.

Doch das ist nicht bei jedem Betroffenen zwingend so. Es gibt auch solche, die nicht alleine sein können, die sich nur unter Menschen sicher fühlen und kaum noch zu Hause verweilen, ständig auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich sicher fühlen können.

Es gibt viele mögliche Ursachen für Angstzustände, Panikstörungen und Phobien. Vielfach liegt bereits eine genetische Veranlagung vor. Weitere Ursachen können in einer ungünstigen Kindheitsentwicklung, körperlichen Krankheiten, anderen psychischen Störungen oder Vergiftungen liegen. Häufig bleiben die Ursachen viele Jahre/Jahrzehnte lang unbemerkt, bis die Störung ganz plötzlich aus heiterem Himmel auftritt. Aber es gibt auch bestimmte äussere Umstände, welche eine Panikstörung erst zum Ausbruch bringen: zum Beispiel Stress, Beziehungsprobleme, ein traumatisches Erlebnis, eine Krankheit, ein Unfall. Meist kommen mehrere Ursachen/Auslöser zusammen.

Am Schlimmsten für die Betroffenen sind Panikattacken, die keine erkennbare körperliche Ursache haben, da man bei jedem Arztbesuch zu hören bekommt, man sei völlig gesund. Aber danach kommt die nächste schlimme Attacke wieder aus heiterem Himmel und man beginnt an der Kompetenz des Arztes zu zweifeln. Im Durchschnitt dauert es immer noch mehrere Jahre, bis die Diagnose Panikstörung gestellt wird und eine entsprechende Behandlung eingeleitet wird!

Wie verhalte ich mich gegenüber einem Menschen mit Angstzuständen oder Panikattacken?

Als erstes sollte ein Nicht-Betroffener akzeptieren, dass es sich hierbei um eine Krankheit handelt. Der Panikpatient simuliert nicht, ist auch nicht auf der Suche nach Aufmerksamkeit oder Anerkennung. Panik ist genauso ein medizinisches Problem wie die viel bekannteren Depressionen oder auch körperliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes.

Es erleichtert einem Panikpatienten das Leben, wenn er nicht einfach ignoriert wird, sondern Menschen findet, die ihm zur Seite stehen, mit ihm reden, auf ihn zugehen. Die meisten Betroffenen sind gerne bereit zu schildern, was es mit den Ängsten auf sich hat und wie sie behandelt werden möchten.

Dem Betroffenen hilft es zumeist schon, wenn er merkt, dass andere ihn nicht ausgrenzen. Wenn sie bereit sind, auf ihn einzugehen und ihn so anzunehmen, wie er ist.

Viele Nicht-Betroffene können nicht verstehen, was in einem Panikpatienten vor sich geht, da man Panik weder sehen noch hören kann. Doch Panik ist real, auch wenn man sie nicht anfassen kann. Es ist wichtig, dass der Betroffene das Gefühl hat, für voll genommen zu werden.

Was kann ich tun, wenn ich bemerke, dass jemand einen Panikanfall bekommt?

Bewahren Sie die Ruhe! Geraten Sie nicht selbst in Panik! Sprechen Sie mit dem Betroffenen. Fragen Sie ihn konkret, was er möchte. Manche lassen sich dadurch beruhigen, indem man mit ihnen spricht, egal, um welches Thema es sich dabei handelt. Andere beruhigt es, wenn man sie in ein Auto setzt und mit ihnen durch die Gegend fährt.

Manche möchten gerne in den Arm genommen oder dazu angeleitet werden auf den richtigen Atem zu achten. Dazu gibt es Panikpatienten, die sich dadurch helfen können, dass sie kaltes Wasser trinken.

Doch jeder reagiert anders. Achten Sie auf das, was der Patient selbst äussert. Versuchen Sie nicht, ihm etwas aufzudrängen, was Sie selbst für sinnvoll erachten.

Meist weiss der Betroffene selbst ziemlich genau, was ihm hilft und was nicht. Das wichtigste ist jedoch, nehmen Sie ihn ernst! Tun Sie seine Probleme nie mit einem Schulterzucken ab oder sagen ihm, er solle sich nicht so anstellen. Das hilft mit Sicherheit nicht!