Heute stehen hochwirksame, angstlösende Medikamente zur Verfügung. Die Pharmakotherapie wurde lange als «symptomzudeckende» Behandlung geringgeschätzt. Neue Erkenntnisse der neurobiologischen Forschung über Angstentstehung und -behandlung haben zu einer differenzierteren Beurteilung beigetragen[2].
Bei akuter Angst wirkt das kompetente, verständnisvolle, aufklärende Gespräch beruhigend. Der Patient soll darüber aufgeklärt werden, dass Panikattacken meistens wenige Minuten (10–30 Minuten) dauern, in der Regel spontan abklingen und für Leib und Leben keine Bedrohung sind.
Bei anhaltender starker Angst kann ein rasch wirksames Benzodiazepin oral verabreicht werden, z.B. Lorazepam 1–2 mg oder Diazepam 5–10 mg. Die Wirkung von Diazepam tritt zwar am schnellsten ein, nimmt aber bei einmaliger Gabe auch rasch ab. Eine intramuskuläre oder gar intravenöse Anwendung (Vorsicht Atemdepression!) ist nur ganz selten indiziert. Bei intramuskulärer Anwendung ist Lorazepam aufgrund der rascheren Resorption dem Diazepam vorzuziehen. Die Expidet-Formen von Lorazepam und Oxazepam erleichtern nur die Einnahme, die Wirkung tritt aber nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, rascher ein! Die Wirkung von oral verabreichten Benzodiazepinen tritt etwa nach 30 Minuten ein und erreicht ihr Maximum frühestens nach einer Stunde. Das Medikament wirkt also in der Regel erst dann, wenn die Panikattacke schon abgeklungen ist und reduziert lediglich die nachfolgende Anspannung, Ängstlichkeit und die Angst vor der nächsten Angstattacke[5].
Tabelle: Benzodiazepinagonisten in der Angstbehandlung
| Wirkstoff | H-Name | Dos. [mg] | Tmax [h] | t1/2 [h] | AM | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Alprazolam | Xanax | 0.25 − 4 | 1 − 2 | 12 − 15 | (m) | + |
| Bromazepam | Lexotanil | 1.5 − 9 | 1 − 2 | 15 − 28 | (m) | + |
| Clorazepat | Tranxilium | 5 − 60 | 1 − 1.5 | 25 − 60 | (l) | + |
| Clobazam | Urbanyl | 15 − 60 | 1.5 − 2 | 20 − 50 | (l) | + |
| Clonazepam | Rivotril | 1 − 4 | 2 − 4 | 20 − 60 | (l) | + |
| Diazepam | Valium | 5 − 20 | 0.5 − 1.5 | 24 − 80 | (l) | + |
| Lorazepam | Temesta | 1 − 6 | 1 − 2.5 | 12 − 16 | (m) | - |
| Oxazepam | Seresta | 15 − 100 | 2 − 3 | 7 − 11 | (k) | - |
| Prazepam | Demetrin | 10 − 30 | 1 − 2 | 50 − 80 | (l) | + |
| H-Name | Handelsname |
| Dos. [mg] | Dosierung in Milligramm |
| Tmax [h] | Zeit bis zur maximalen Plasmakonzentration in Stunden |
| t1/2 [h] | (k) kurze, (m) mittlere, (l) lange Halbwertszeit |
| AM | Aktive Metaboliten (Kumulationsgefahr) |
Bei der mittel- bis langfristigen Behandlung von Panikattacken sind immer Antidepressiva den Benzodiazepinen vorzuziehen. So lässt sich das Risiko einer Abhängigkeit von Benzodiazepinen vermeiden. Man kann heute, ausser bei der Behandlung von akuter Angst, weitgehend auf Benzodiazepine verzichten[2].