Etwa ein Drittel aller ambulanten Patienten teilen ihre Tabletten vor der Einnahme[1]. Jedoch nicht jede Tablette darf auch geteilt werden. Bestimmte Tabletten sind mit einer speziellen Hülle versehen, welche beim Teilen ihre Funktion verliert. Dies beeinflusst die Wirkung des Medikamentes und kann bei bestimmten Wirkstoffen sogar gefährlich sein. Der Patient muss also darüber informiert werden, welche seiner Tabletten geteilt werden dürfen und welche nicht.
Zerteilen Sie Tabletten nur dann, wenn diese eine extra dafür vorgesehene Bruchkerbe haben und die Gebrauchsinformation eine halbe oder viertel Tablette zur Dosierung vorsieht.
Auskunft über die Teilbarkeit von Tabletten erhalten sie von ihrem Arzt oder Apotheker, dem pharmazeutischen Unternehmen oder vom
http://www.documed.ch/ - Arzneimittel-Kompendium der Schweiz
Es gibt viele Gründe, warum Tabletten überhaupt geteilt werden:
Flexible Dosierung: Medikamente wirken oft nur in einer ganz bestimmten Dosierung optimal. Man spricht von der therapeutischen Breite. Diese ist zudem bei jedem Menschen verschieden. Es gibt kaum Tabletten in genau der gewünschten Dosierung. Ältere Menschen oder Kinder brauchen zudem oft eine kleinere Dosis als erhältlich ist. Oder ein Medikament muss ein- oder ausgeschlichen werden. Das heisst, die Dosis muss langsam gesteigert oder reduziert werden, zum Beispiel bei Benzodiazepinen, Betablocker und Antidepressiva.
Erleichterung der Einnahme: Manchen Menschen fällt das Schlucken besonders von grossen Tabletten schwer. Das Teilen oder zerstampfen der Tablette erleichtert die Einnahme.
Kostensenkung: Tabletten mit dem selben Wirkstoff gibt es meist in verschiedenen Dosierungen. So gibt es zum Beispiel Benzodiazepine in einer Dosierung von 5 mg pro Tabellete und in einer Dosierung von 20 mg pro Tablette. Die höher dosierte Tablette ist aber nicht vier mal Teurer. So lohnt es sich, die höher dosierte Packung zu kaufen und die Tabletten entsprechend zu teilen.
Viele Tabletten sind mit einer speziellen Hülle versehen. Diese Hülle kann je nach Medikament verschiedene Funktionen haben:
Schutz des Wirkstoffes vor Umwelteinflüssen: Bestimmte Wirkstoffe zersetzen sich durch Luftsauerstoff, Feuchtigkeit oder Licht (zum Beispiel Johanniskrautpräparate), wodurch sie wirkungslos werden. Die Hülle schützt den Wirkstoff vor dem Zersetzen durch Umwelteinflüsse.
Schutz des Wirkstoffes vor dem Magensaft: Einige Wirkstoffe können erst vom Darm ins Blut gelangen, würden aber vom agressiven Magensaft vorher zersetzt. Solche Tabletten sind mit einer Hülle versehen, welche den Wirkstoff vor dem Magensaft und die Magenschleimhaut vor Irritationen durch den Wirkstoff schützt.
Verzögerung der Freigabe des Wirkstoffes: Retard-Tabletten haben einen speziellen Überzug, welcher den Wirkstoff nur sehr langsam frei gibt. Dadurch muss weniger oft eine Tablette geschluckt werden, weil der Wirkstoff fein dosiert über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird. Das zerstören der Hülle könnte zu einer Überdosierung führen!
Einschliessen des Wirkstoffes: Einige Wirkstoffe sind pulverförmig und können leicht in die Luft gelangen und eingeatmet werden. Solche Wirkstoffe werden in eine Kapsel gepackt oder mit einer anderen Hülle umschlossen. Wenn es sich um CMR-Wirkstoffe handelt (z.B. Mittel gegen Krebs), sollten die Tabletten nicht geteilt werden, um andere Personen nicht zu gefährden.
Einschliessen des unangenehmen Geschmackes: Wirkstoffe können einen sehr unangenehmen Geschmack haben. Die geschmacksneutrale Hülle verhindert, dass die Geschmacksnerven mit dem Wirkstoff in Berührung kommen, sodass die Einnahme angenehmer ist.
Da beim Teilen einer Tablette eine eventuell vorhandene Hülle beschädigt wird und damit ihre Funktion verliert, kann dies Auswirkungen auf die Wirkung der Tablette haben:
Bei Retard-Tabletten gelangt der ganze Wirkstoff auf einmal ins Blut, statt dass er langsam abgegeben wird. Dies könnte zu einer Überdosierung führen. Bei Tabletten mit einer Schutzhülle gegen den Magensaft wird hingegen der Wirkstoff zersetzt, bevor er ins Blut gelangt. Dadurch wird die zerteilte Tablette wirkungslos.
Zu beachten ist auch, dass Tabletten trotz Bruchrille oft nicht einfach zu teilen sind. Es entstehen ungleich grosse Hälften oder die Tablette zerbröselt, was die Dosierung erschwert. Ältere Menschen oder Patienten mit Bewegungsstörungen sind oft nicht mehr in der Lage, ihre Tabletten selbst genau genug zu zerteilen.
Ob sich eine Tablette zum Teilen eignet und wie dies zu erfolgen hat, hängt im Wesentlichen von den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wirkstoffes, der Herstellung der Tablette, der Grösse und Form der Tablette und der Beschaffenheit der Bruchkerbe ab.
Retard-Tabletten und Tabletten mit einem Überzug, welcher den Wirkstoff vor dem Magensaft schützt, dürfen nicht geteilt werden. Eine Ausnahme bilden hier Tabletten, die aus Granulaten oder Teilchen (z.B. Pellets) hergestellt sind, die mit einem Film überzogen sind. Diese dürfen an der Bruchkerbe geteilt werden, da der Überzug nur die wirkstoffhaltigen Teilchen umgibt und nicht die ganze Tablette.
Tabletten in Kapselform dürfen ebenfalls nicht geteilt bzw. die Kapsel darf nicht geöffnet werden. Es gibt zudem Tabletten mit einer Bruchrille, die nicht geteilt werden dürfen.[2][3]
- PDF, R. Quinzler, W. E. Haefeli, Universitätsklinikum Heidelberg
- PDF, swissmedic