Verdrängen ängstlicher Gedanken verstärkt die Angst

Angst verdrängen

Viele Angstpatienten tendieren dazu, angstmachende Gedanken zu verdrängen. Eine Studie von Ernst H. Koster zeigt, dass genau dieses Verhalten eine paradoxe Wirkung haben kann – die Angst wird verstärkt.

In einer Untersuchung an 32 Freiwilligen haben die Forscher um Ernst. H. Koster von der Universität Ghent in Belgien festgestellt, dass die Strategie von Angstpatienten, nicht an Angstmachendes zu denken, die Angst scheinbar erhöht.

Dazu wurde zwei Gruppen von Freiwilligen mitgeteilt, dass sie sich auf schmerzhafte aber ungefährliche Stromstösse (Elektroschocks) vorbereiten müssen. Während der Wartezeit zwischen den Stromstössen mussten die Probanden die Intensität der Angst bewerten und gleichzeitig wurde die Häufigkeit sowie die Dauer ängstlicher Gedanken gemessen. Eine der beiden Versuchsgruppen wurde angewiesen, während einer Wartephase ängstliche Gedanken willentlich zu unterdrücken. Die Probanden berichteten anschliessend, dass während dieser Verdrängung die Anzahl ängstlicher Gedanken und die Stärke der Angst weder gesunken noch angestiegen sei. Es gelang ihnen damit sogar die Dauer ängstlicher Gedanken zeitweise zu verkürzen, nicht aber die Intensität und Häufigkeit.

Bemerkenswert ist aber, dass die Probanden nach der Phase der Verdrängung von einer signifikant stärkeren Angst und einer erhöhten Anzahl an ängstlichen Gedanken berichteten. Die Unterdrückung von ängstlichen Gedanken wirkt demnach nur so lange, wie sie ausgeübt wird. Unmittelbar danach setzt ein sog. «Rebound-Effekt» ein, der die Angstintensität und die Häufigkeit der Angstgedanken soweit ansteigen lässt, dass das Angstniveau deutlich überschritten wird.

Das Verdrängen von Gedanken entspricht nach Auffassung der Autoren der Studie einem Vermeidungsverhalten, das bekanntermassen die Angstproblematik längerfristig verstärkt. Zudem bewirkt der Reboundeffekt, der nach der aktiven Verdrängung auftritt, dass durch die gesteigerte Aufmerksamkeit neue Impulse und Reize in die Angstkaskade integriert werden, was in der Folge das Leiden verstärkt.

Diese Erkenntnis stützt die These, dass die Unterdrückung von Angstgedanken zu einer paradoxen Verstärkung der Angst führt und damit Angststörungen auslösen oder begünstigen könnte, zumindest aber zu einer Aufrechterhaltung von Angststörungen beitragen könnte. Die bewusste Auseinandersetzung mit der Angst bzw. Exposition führt indessen zu einer sukzessiven Gewöhnung und damit zur Herabsetzung des Angstniveaus.